Aufführung der Theatergruppe Michelbeuern 2010 – SHAKESPEARE: Ein Sommernachtstraum Flower Power am Komödien-K2. Franz Landsteiner Theatergruppe Michelbeuern spielt im Exner Saal in ihrem neunten Auftritt Shakespeares "Sommernachtstraum“ – mit Erfolg. Februar 2010: Als sollte die Stückauswahl für den endlosen ’Winter unseres Missvergnügens’ außerhalb des Exner-Saals entschädigen, setzte HLMW9-Theater-Impresaria Elisabeth Kovacs heuer auf den „Sommernachtstraum“. Mit der großen Besetzung und dem gewaltigen Rollenpensum gilt Shakespeares meistgespielter Lustspielklassiker nicht gerade als federleichtes Sommertheater. Eher schon als kaum bezwingbarer K2 der Komödie. Doch genau diesen Höhenflug wagt die Bühnen begeisterte Literatur-Lady mit ihrer achtzehnköpfigen Schauspieler-Schar – nach bisherigen Gipfelstürmen zu Goldoni und Nestroy, Moliere und Wilde. Shakespeares 1595 geschriebener Komödienklassiker variiert im Dunkel der verhexten Nachtwelt des Athener Waldes das altbewährte Lustspielschema von agnoia und anagnorisis, also vom Verkennen und Wiedererkennen der Liebenden. Im amourösen Wirrwarr kippen ‚ewige’ Liebesschwüre in schnöden Liebesverrat, unverhohlene Sexualgier in Zickenkrieg und Männerzank. Sinnverwirrte sinnieren, erschreckend heiter, über Epochales wie die Ablöse der Frauen- durch Männerherrschaft (Theseus Unterwerfung der Amazonenkönigin) oder verharren, angeturnt von Pucks magischer Flower Power, wohlig schaudernd im Identitätsverlust durch ‚Augenliebe’ (Titania). Der burleske Balzer-Walzer beginnt in Athen, wo sich Hermia mit Lysander trifft statt mit Demetrius. Vor der Todesdrohung durch Vater und Herzog rettet sich das Liebespaar, verfolgt vom erzürnten Demetrius und der ihm verfallenen Helena, fluchtartig in den Wald. Dort tobt ein giftiger Geschlechterkrieg zwischen Oberon und Titania, den der Elfenkönig mit dem kauzigen Waldgeist Puck zu gewinnen sucht. Doch der Chaos-Komiker stiftet mithilfe eines Zaubersaftes eine Liebesunordnung, die erst im heiter-naiven Spiel der Handwerker bzw. im Happy End der Dreifachhochzeit (Herzog Theseus ehelicht Ober-Amazone Hippolyta) komödiantische Auflösung erfährt. Zum Schluss: drei Hochzeiten und kein Todesfall und damit die Beantwortung der Frage, ob die Liebe eine Himmelsmacht ist oder doch kälter als der Tod. Andere Themen bleiben offen – eine Stärke dieser Inszenierung, die auf kleine Fortschritte am Weg zur großen Textsicherheit setzt. Hier feilte Regie-Assistentin/ Sprechtrainerin Elisabeth Krön mit den engagierten Eleven im Ensemble, gerade in den tragenden Rollen, an sprechtechnischer Verfeinerung und textsicherem Auftreten. In beiden Bereichen traten Mona Hübl (Helena) und Tamara Schäffer (Hermia) positiv hervor, aber auch, in den ulkigen Handwerkerszenen, Marlene Ranner (Squenz), Clara Lachmann (Zettel) und Laura Rameis (Flaut). Von Letzterer stammte das Konzept für ein gutes Dutzend der schön Kontrast farbig gestalteten Kostüme. Deren Fertigung bewerkstelligten die Kostümwerkstätten der HLMW9 unter der Federführung von FI Dipl.-Päd. Margarete Angerler. In den Pausen verwöhnte die 3 HKA mit ihrem Buffet (Dank an die Küche!) Fazit: Eine sehenswerte Aufführung! – Im kommenden Jubiläumsjahr wird zehnjähriges Bestehen gefeiert. Wunsch: Play it again, Elisabeth!
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