Architektonik im SchulalltagWilkommen bei der ichelbeuern
In der HLMW Wien 9, die sowohl eine Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe als auch für Mode & Bekleidungstechnik ist, zeichnet sich das Schulprofil vor allem durch ein kooperatives Miteinander der SchülerInnen beider Schultypen aus. Neben zahlreichen Innovationen, die von der neuen Direktorin in der bald 100-jährigen Schule in letzter Zeit umgesetzt worden sind, ist sich die Schule auch ihrer Tradition bewusst. Die HLMW Wien 9 ist mehr als nur eine gewöhnliche Schule. Sie verkörpert durch den Einsatz modernster Computerausstattung nicht nur zukunftsorientierten Unterricht sondern auch Kunst, Kultur und Geschichte. Der Wilhelm Exner-Saal, der Teil der Schule ist, verleiht ihr zusätzlichen Charme. Als „Höhere Fachschule für das Herren- und Damenkleidermachergewerbe“ anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I in der Johannesgasse, Wien 1, gegründet, zählt die Schule zu den ältesten Berufsbildenden Schulen Österreichs. Im Jahre 1921 wurde sie auf den heutigen Standort, Michelbeuerngasse 6-8 verlegt. Während des 2. Weltkrieges wurde das Gebäude zerstört, konnte jedoch bereits 1945 wieder eröffnet werden. Das rasche Wachstum der Tourismusbranche hinterließ seine Spuren auch in der HLMW 9 und so wurde 1995/96, parallel zum bisherigen Schultyp, die Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe mit dem Ausbildungsschwerpunkt Kulturtouristik ins Leben gerufen. Doch nicht nur die Schule, sondern auch der Wilhelm Exner-Saal weist e ine interessante Geschichte auf. Seinen Namen erhielt er durch Dr. Wilhelm Exner, der Leiter eines k.k. Gewerbeförderungsamtes war, das in diesem Saal seine Sitzungen abhielt. Der Architekt Heinrich Kathrein gestaltet ihn in den Jahren 1909 bis 1911. Neben Otto Wagner war es vor allem Kathreins Lehrer Josef Hoffmann, der ihn dabei beeinflusste. Die typischen „Hoffmann’schen“ Züge sind noch heute zu sehen. So findet man etwa schwarz gebeizte und weiß eingeriebene Fugen genauso vor wie in Hoffmanns Werken aus der gleichen Zeitepoche: z.B. in der Einrichtung des Geschäftlokals der Staatsdruckerei, im Herrenzimmer der Villa Ast aber auch in Hoffmanns Hauptwerk, dem Palais Stoclet in Brüssel. Weiters ist die als Raute benutzte Schmuckform typisch für diese Richtung der Innenraumgestaltung. Die tatsächlichen Wurzeln des Wilhelm Exner-Saals liegen eigentlich im Jahr 1890, war doch der erwähnte Sitzungssaal als Aufstockung eines Hoftraktes der „Anglo-American Brush-Electric Light Corporation Limited“ gedacht. In jenem Jahr wurde der Kernbau der Fabriksanlage von dem renommierten Architektenbüro Helmer und Fellner errichtet. Betritt man das Schulgebäude, sieht man bereits im Stiegenhaus die originalen Doppelabschlusstüren samt Beschlägen. Außerdem sind beim Treppenaufgang farbige Glasfenster zu sehen, die noch aus der Zeit zwischen 1910 und 1913 stammen. Gelangt man dann in den Exner-Saal, tritt man zunächst in einen Vorraum. In diesem ist heute eine Bar untergebracht, die dem wirtschaftlichen Zweig der Schule bei Veranstaltungen dient. Anschließend gelangt man rechter Hand auf die Terrasse. In den 60er Jahren war sie eigentlich eine Filmvorführkabine, doch bei der Adaptierung und Instandsetzung des Saales in den Jahren 1998 und 1999 wurde sie wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt und zusätzlich mit einem Glasdach versehen. Seit der Renovierung ist außerdem der Durchgang von der Terrasse aus in den Exner-Saal möglich. Die Garderobe, die parallel zur Terrasse verläuft, stammt noch aus dem Jahr 1909 und ist ebenfalls in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden. Wenn man nun durch die vierflügelige Eingangstür in den Wilhelm Exner-Saal tritt, fallen einem zunächst die genaue Gliederung der Boden-, Wand und Deckenflächen sowie die Symmetrie des 10x19m großen Saales auf. Der massive Holzfußboden aus Eichenparkett ist noch im Originalzustand erhalten und bildet einen passenden Kontrast zum übrigen Raum.
An den Wänden ist die bereits erwähnte, schwarz gebeizte und gekalkte Holzvertäfelung zu bewundern, die aus Esche gefertigt wurde. Die unterschiedlichen Gestaltungsmaterialen (Holz, Furnier, Stoff, Glas, Parkett), welche regelmäßig wiederkehren, üben eine faszinierende Wirkung auf den Besucher aus. Dabei sind die auf die Spitze gestellten Rhomben sehr markant. Man begegnet ihnen bei genauerer Betrachtung immer wieder, etwa bei gestalteten Flächen an der Wand, in der Verglasung der Schranktürchen, aber auch in der Täfelung und in der Heizkörperverkleidung. An den Längswänden sind jeweils drei Sitzbänke eingebaut worden, die durch Heizkörper in einer Holzvertäfelung voneinander getrennt sind. Darüber befinden sich die enorm wirkenden Doppelfenster, durch die bei jeder Jahreszeit Sonnenstrahlen in den Raum dringen und für besondere Lichteffekte sorgen. Die Fenster sind im Verbundsystem ausgebildet und mit der für diese Zeit typischen Sprossengliederung versehen. Doch auch die Saaldecke bildet einen interessanten Blickfang. Als flaches Gewölbe in Gipsstuck ausgebildet, ist sie in 24 quadratische Felder gegliedert. Jedes dieser Felder ist in ein Blattornament eingefasst und besitzt einen Beleuchtungskörper in der Mitte. Unter der sichtbaren Decke befindet sich die Holzkonstruktion des Dachstuhles, an der die 6cm starke Stuckdecke mit Spanndrähten fixiert wurde.
Der aus der Zeit des Österreichischen Werkbundes stammende Saal wurde 1998 innerhalb eines Jahres adaptiert und wieder in Stand gesetzt. Von der „Bundes Immobilien GesmbH“ gefördert, wurde der Wilhelm Exner-Saal unter der Leitung von Architekt Dr. Theophil Melicher in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt revitalisiert. Man wollte weniger in die Baumasse eingreifen, viel mehr den Raum „pflegen“ und ihn aus einer Art langjährigem Winterschlaf wiedererwecken. Die Kosten betrugen dabei rund € 480.000,-- (damals ATS 6.600.000,--). Relativ wenig für so ein Bauvorhaben, aber dennoch konnte der Exner-Saal nahezu vollständig wieder in seinen Originalzustand versetzt werden. Bis heute ist der architektonisch wertvolle Saal in Verwendung der HLMW 9. Er wird von der Schule zu besonderen Anlässen und Veranstaltungen wie z.B. der mündlichen Matura, Friday Nights, Modeschauen, Ausstellungen, Theatervorstellungen u.ä. genutzt. Die Lehrer, Schüler, Eltern, aber auch außerschulische Personen haben dadurch die Gelegenheit ein Stück Geschichte und Architektur mitzuerleben. Der Wilhelm Exner-Saal: Ein Meisterwerk von Heinrich Kathrein, das bis heute erhalten geblieben ist und der HLMW 9 zu einer einzigartigen Kombination aus Schulalltag und Kunst- Kulturgeschichte verhilft. Peter Orisits, Schüler der HLW
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