COME TOGETHER!

24.1.2017: Mit verbundenen Augen werden Schülerinnen und Schüler durch den Exner-Saal geführt. Jugendliche stehen beieinander und tippen sich mit den Fingern auf die offene Handfläche. An einem Tisch bilden andere SchülerInnen Fäuste, verschränken Zeige- und Mittelfinger, strecken die Hand durch und bewegen sie in verschiedene Richtungen. In einem Kreis sitzt eine Gruppe und schaut zu einem jungen Mann, der kein Wort spricht, sondern nur seine Hände bewegt und dennoch treten die SchülerInnen in einen regen Dialog mit ihm. Alle zehn Minuten setzen sich die neun Schülergruppen in Bewegung wie in einem Bienenkorb und gehen zur nächsten der insgesamt zehn Projektstationen.

Was ist da los im schönsten Jugendstilsaal Wiens?

Es ist Sensibilierungstag in Michelbeuern.

Wer wird von wem wofür sensibilisiert?

Es sind die neuen Klassen in Michelbeuern, die für den Umgang mit gehörlosen und schwerhörigen SchülerInnen der Expositur sensibilisiert werden sollen.

Wie kommuniziert man mit Gehörlosen? Muss man da ganz besonders laut sprechen? ( Nein. Das bringt gar nichts.)

Ist die Gebärdensprache international? (Nein. Es gibt sogar in den verschiedenen Gebärdensprachen Dialekte, auch in der österreichischen.)

Warum sagt man heute nicht mehr „taubstumm“? (Es wird von gehörlosen Menschen als diskriminierend empfunden.)

Die SchülerInnen der neuen Klassen sollen gleich von Anfang die Berührungsängste im Umgang mit gehörlosen SchülerInnen verlieren bei den verschiedenen Gelegenheiten des Zusammentreffens (Skiwoche, Kochunterricht, Veranstaltungen und auf den Gängen in Michelbeuern....), ganz nach dem Motto „Come together.“

Die Idee dazu hatte der Abteilungssprecher der Expositur Lucas Zenzmaier und wurde bei der Organisation tatkräftig von unserer ÖGS- Lehrerin Lydia Fenkart unterstützt.

An zehn Projektstationen bekamen die hörenden SchülerInnen grundsätzliche Informationen über Gehörlose (Wie viele leben in Österreich? 8000-10 000 etc.). Sie bekamen Informationen über die gesetzlich verbrieften Rechte von Hörbeeinträchtigten, über die UN-Konvention und über das Usher-Syndrom, bei dem es neben dem Verlust des Gehörs auch zu einem Rückgang bis zum Verschwinden der Sehkraft kommt und welche Kommunikationsmöglichkeiten es bei diesen Menschen gibt (man tippt festgelegte Buchstaben, so genannte Lormen, in ihre offenen Handflächen).

Zwei gehörlose Gäste sind der Einladung Fenkarts gefolgt und unterstützen die Veranstaltung, indem sie bereitwillig Auskunft gaben. Der Apotheker Mag.pharm. Sreco Dolanc und der Friseurmeister Vinh Ngyen beantworteten mit Hilfe der Dolmetscherin bereitwillig die Fragen der SchülerInnen.

Um die reibungslose Kommunikation zu gewährleisten, wurden vier DolmetscherInnen engagiert.

Die Kommunikation war es auch, die die SchülerInnen am meisten interessierte.

Die Station, an der das Fingeralphabet und grundlegende Gebärden gezeigt wurden, bekam das positivste Feedback.

Damit der ein oder andere Buchstabe hängen bleibt, bekamen alle SchülerInnen zum Abschied ein Lesezeichen mit dem Fingeralphabet.

Vielleicht lag es daran, dass der 24.Jänner der Namenstag des heiligen Franz von Sales, des Schutzpatrons der Gehörlosen, ist – jedenfalls stand die Veranstaltung unter einem guten Stern und war ein voller Erfolg.

Der Wunsch des Abteilungsleiters, durch diese Veranstaltung Berührungsängste abzubauen und die Kommunikation zwischen Michelbeuern und der Expositur zu fördern, hat sich erfüllt.

ExpositurschülerInnen berichteten erfreut, dass sie nach dem „Sensi-Tag“ auf den Fluren in Michelbeuern von hörenden SchülerInnen „angebärdet“ wurden.

So ist es hoffentlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, und nächstes Jahr versammeln wir uns wieder um den Flügel im Exner-Saal, wenn es heißt: COME TOGETHER!

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