Häuser aus Tee, alte Hallen, Tassenschnäbel und eine Lotusblüte aus Schwimmwesten am Tag der Flucht

 

Der 30.September war der „Tag der Flucht“. Drei Klassen der Expositur nutzten das großzügige Angebot des Belvedere, die Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei im 21er Haus und im Garten des Belvedere zu besuchen. Dabei hatten wir das Glück, von einer ehemaligen HLMW9-Kollegin durch die Ausstellung geführt zu werden.

Das 21er Haus ist momentan ein Künstlerhaus voller Häuser, die Ai Weiwei aus China dorthin gebracht hat. Da ist zum Beispiel die Innenausstattung aus Holz der jahrhundertealten Ahnenhalle einer chinesischen Teehändlerfamilie, versetzt mit pastellfarbigen und neonfarbenen Schmuckornamenten, die aussahen, als seien sie aus Plastik. Die Familie, der das Haus einst gehörte, wurde zur Zeit der chinesischen Kulturrevolution vertrieben.

Zuerst konnten wir den eigenartigen Geruch nicht richtig einordnen und dachten, das Rechteck auf dem Boden der Halle mit den beiden Häuschen, die aussahen wie Hundehütten, sei aus Torf. Doch die braune Wiese, wie auch die beiden Hütten, bestanden aus mehreren Hunderten Kilos Tee.

Die andere rechteckige Wiese in der Halle war keine Geruchsverwirrung, sondern eine optische Täuschung. Kleine, helle, glänzende Rohre. Zum Teil merkwürdig gebogen. Bei näherem Hinsehen erkannten wir, dass es Teekannenschnäbel waren, die von dem Rest der Kanne abgebrochen waren.

Der interaktive Part durfte natürlich auch nicht fehlen. Und so lagen in der Mitte des Raumes Bilder aus der langen, wechselhaften Geschichte Chinas, die die Schüler und Schülerinnen den jeweiligen Epochen in einer Fragerunde zuordnen und ihr Wissen zu diesem Thema aktivieren konnten.

Etwas nachdenklicher gestaltete sich der zweite Teil des Besuches im Belvedere-Garten. Dort waren Kopien alter Bronzestatuen aufgestellt, die die chinesischen Tierkreiszeichen darstellten z. B. Büffel, Hase, Drache... Der größte Teil der überlebensgroßen Originale gilt als verschollen. Für die Modejünger und –jüngerinnen unter uns ist es vielleicht interessant zu wissen, dass zwei dieser Figuren 2009 im Besitz des leider schon verstorbenen Yves Saint Laurent aufgetaucht sind.

Der größte Unterschied zwischen schönem Schein und schrecklicher Bedeutung bildeten jedoch die Schwimmwesten, die auf dem Belvedere-Teich in Form einer Lotusblüte bzw. eines kalligraphischen F angeordnet waren. Schwimmwesten, die tatsächlich von Flüchtlingen in Griechenland oder der Türkei zurückgelassen worden waren. Mit diesen Eindrücken beendeten wir unseren Ausflug zum Tag der Flucht an einem der letzten Sommertage dieses Jahres.

 

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