Von einer zweifachen Premiere

Als wir – der 3 AEH, die 3 FHH, Frau Neuhofer und Frau Meissnitzer – am 24.November im Theater im Zentrum „The Miracle Worker“ anschauten, war das für viele unserer SchülerInnen etwas Neues, eine Premiere.

Auch für das Theater war es das erste Mal, dass es ein Theaterstück für Gehörlose zugänglich machte, indem es den auf der Bühne gesprochenen Text auf einem Bildschirm mitlaufen ließ.

Und wie vor über hundert Jahren, als im ersten Kinofilm eine Lokomotive auf der Leinwand einfuhr und die Zuschauer entsetzt wegliefen, erlebte einer unserer Schüler seinen eigenen Lokomotive-Effekt. Als sich die Protagonistin Helen auf der Bühne eine Schere in den Mund schob, zuckte der Schüler zusammen und wäre am liebsten auf die Bühne gelaufen, um sie daran zu hindern.

In dem Stück geht es um die im Kleinkindalter ertaubte und erblindete Helen Keller, die mittlerweile zu einem Teenager herangewachsen ist. Die sehbehinderte, junge Lehrerin Annie Sullivan findet ein geliebtes, allerdings auch verwahrlostes Kind vor, bei dem seine Eltern aufgegeben haben, ihm auch nur die grundsätzlichsten Verhaltensregeln beizubringen: Helen nimmt sich mit den Händen das Essen von den Tellern aller anderen und stopft es sich in den Mund, und sobald sie nicht ihren Willen bekommt, bekommt sie einen Tobsuchtsanfall.

Weder kann sie sich anderen mitteilen, noch versteht sie die Menschen um sich herum. Wir schauten Annie Sullivan bei ihrem verzweifelten Bemühen zu, dass Helen begreift, dass sich die Buchstaben des Fingeralphabets, die sie ihr in die Hand buchstabiert, zu Worten zusammenschließen, die etwas bedeuten und benennen. Und dann erleben wir einen der besonderen magischen Momente im Theater: Helen begreift im wahrsten Sinne des Wortes, dass das kühle Nass, in das sie ihre Hand hält, W-A-S-S-E-R –Wasser ist. Annie Sullivan, Helen, ihre Eltern, das Dienstmädchen sind überglücklich, als Helen begierig die Bezeichnungen aller Dinge um sich herum erfahren will und schlussendlich begreift, dass ihr eigener Name Helen ist.

„Sprache ist für den Geist wichtiger als Licht für die Augen“ heißt es in dem Stück, und in diesem Moment haben wir das alle empfunden, mit Gänsehaut und Tränen in den Augen.

Die junge Schauspielerin verkörperte Helen so überzeugend, dass wir uns nicht sicher waren, ob sie nicht wirklich eine Gehörlose ist. Die anderen SchauspielerInnen, die sich nach dem Stück für ein Gespräch Zeit genommen haben, beeindruckten, außer mit ihrem Schauspiel, mit ihrer Kenntnis des Fingeralphabets. Mit dessen Hilfe und der Dolmetschung unseres Schülers Lucas gaben die SchülerInnen Feedback: wie schön es war, live dabei zu sein, die SchauspielerInnen auf die Bühne kommen zu sehen, auf Gehörlosenart zu applaudieren, was die SchauspielerInnen von der Bühne aus erfreut zur Kenntnis nahmen. Sogar als Interviewpartner waren unsere SchülerInnen an diesem Abend gefragt (siehe Link zum Artikel im Kurier).

Nach diesem sehr gelungenen Besuch bleibt uns nur zu sagen:

Liebes Theater der Jugend, wir kommen wieder!

Zurück