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Das Modekolleg zeigt seine Abschlusskollektionen

Am 26. Mai 2026 ist es so weit: Die Studierenden des Modekollegs präsentieren unter dem Titel „Nahtschatten" ihre ersten Kollektionen, die in monatelanger Arbeit in den Werkstätten der Modeschule Michelbeuern entstanden sind. Wir haben drei Modestudierende vorab getroffen und mit ihnen über ihre Kollektionen, die Entwicklung und den Prozess dahinter gesprochen.

Jedermann verkleidet

Amina Mostageer

Wie heißt Ihre erste Modekollektion?
Amina Mostageer: Meine Kollektion heißt „Jedermann verkleidet" und ist inspiriert von dem Theaterstück „Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal, speziell von den drei Figuren: die Buhlschaft, der Mammon und der Tod. Ich habe mir ein Theaterstück als Inspiration gesucht, weil ich auch vom Theater komme. Davor habe ich Schauspiel studiert und möchte auch in Richtung Kostüm weiterarbeiten.

Wie kam es zur Entscheidung, den Jedermann zu wählen?
Amina Mostageer: Der Jedermann ist natürlich eines der ikonischsten Stücke für Österreich. Außerdem haben mir die Figuren sehr gut gefallen, weil es sich um so klare Bilder handelt. Der Mammon und das Geld, da kann man sich schnell etwas vorstellen, auch wenn man die gesamte Geschichte nicht kennt.

Wie hat der Entwicklungsprozess ausgesehen?
Amina Mostageer: Was eine Besonderheit meiner Outfits ist, ist, dass alle Outfits wandelbar sind. Die Models kommen zunächst in einem Look auf den Laufsteg und verwandeln es in ein Kostüm für das Theater. Ich habe schon öfter mit Umwandlungen auf der Bühne gearbeitet und wollte das hier noch weiter ausbauen. 
Zuerst habe ich überlegt, wie der erste Look aussehen soll, dann wie die Verwandlung funktioniert - zum Beispiel gibt es sehr lange Ärmel, die zu einem Kleid werden, oder eine Hose, die zu einem Rock wird. Das Zeitaufwendigste war die Schnittentwicklung, weil man viele Schnitte kombinieren muss, wie zum Beispiel einen Ärmelschnitt mit einem Kleiderschnitt. Das braucht einige Probemodelle, damit alles geschmeidig funktioniert und in beiden Varianten schön aussieht.

Ist das Mehrfachverwendbare und Verwandelbare etwas, das Sie generell verfolgen?
Amina Mostageer: Bei Theaterstücken, die ich bereits während der Ausbildung mit Kostümen ausgestattet habe, hat sich das ergeben, wenn die Schauspieler*innen die Bühne nie verlassen, aber mehrere Rollen gespielt haben. So hat es sich entwickelt, die Umzüge sichtbar zu machen und Teil der Performance werden zu lassen. 
Jetzt, wo ich die Expertinnen während der Ausbildung an meiner Seite habe, wollte ich das noch weitertreiben und schauen, wie man das aufwendiger lösen kann.

wear the city

Isabelle Chour

Wie heißt Ihre Abschlusskollektion?
Isabelle Chour: Meine Kollektion heißt „Wear the City“, also „Trage die Stadt“, und ist von drei Städten inspiriert: London, Paris und Ibiza. Das Konzept dahinter ist, dass ein Model alle drei Orte in 24 Stunden bereist und man diese in jedem Outfit wiedererkennt. Die Outfits sind außerdem praktisch gestaltet, so dass man sie auch miteinander kombinieren kann.

Wie kam es zur Idee und wie hat sich die Kollektion entwickelt?
Isabelle Chour: Ich reise sehr gerne und habe zu diesen drei Städten einen persönlichen Bezug, sie wurden nicht willkürlich ausgewählt. Dann habe ich mich weiters von den Stoffen inspirieren lassen. Mein Farbkonzept ist beispielsweise aus den Stoffen heraus entstanden, weil ich viele verschiedene zur Verfügung hatte. Die Herausforderung lag darin, dass ein roter Faden erkennbar bleibt.

Was war der spannendste Moment in der Kollektionsentwicklung?
Isabelle Chour: Ich glaube, der spannendste Moment war, als ich ein Probemodell angezogen habe und es einfach nicht gepasst hat. Es war nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich habe es dann verändert und mit einem anderen Outfit kombiniert. Beim Fitting war es dann sehr aufregend alles zusammen zu sehen.

Wie wurden Sie auf die Entwicklung und Umsetzung der Abschlusskollektion vorbereitet?
Isabelle Chour: Ich habe vor der Ausbildung nicht genäht, habe sozusagen mit null Erfahrung begonnen. Es ist schon interessant, darüber nachzudenken, dass ich vor zwei Jahren nicht einmal einen Knopf annähen konnte und jetzt wirklich Kollektionsteile fertige. Also ja, auf jeden Fall!

Gibt es schon Pläne für danach?
Isabelle Chour: Das ist eine schwierige Frage. Natürlich würde ich gerne weiter in Richtung Design gehen, aber Wien ist nicht die größte Modemetropole. Man muss sehr aktiv hinter den Bewerbungen stehen, damit sich das ausgeht.

Manifest

Felix Peer

Wie heißt Ihre erste Kollektion?
Felix Peer: Meine Kollektion heißt „Manifest". Sie bearbeitet einen fiktiven dystopischen Aufstand gegen ein rechtsextremistisches, faschistisches Regime. Das ist ein komplizierter Satz, aber er beschreibt es ziemlich bündig.

Wie sind Sie zu dieser Idee gekommen?
Felix Peer: Von Anfang an war mein Gedanke „Was wird die Abschlusskollektion, wo gehe ich hin?“ Während meiner Arbeit höre ich meistens Podcasts, darunter war ein 14-stündiger Podcast über die Französische Revolution. Das Thema Revolution hat mich fasziniert. Dazu kam die politische Situation in Ländern wie den USA, Italien, Deutschland und auch bei uns. Ich habe Entwicklungen gesehen, bei denen ich nicht schweigen kann. Ich bin kein Politiker, aber ich kann mit Design einen Standpunkt einnehmen. So ist die Kollektion entstanden. Sie soll mein Manifest sein in Form von Mode als Kritik an bestimmten Umständen.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Felix Peer: Ich habe versucht, Elemente aus dem Militär zu nehmen, was in der Herrenmode nichts Neues ist. Hemden, Mäntel, Anzüge – vieles kommt ursprünglich aus dem Militär. Ich habe Grün als Farbe gewählt, weil es oft mit Camouflage verbunden wird, und dann versucht, das Nützliche mit Elementen zu verbinden, die keinen direkten Nutzen haben, aber eine besondere Note verleihen. Es geht um die Vermischung aus dem militärischen, sehr strukturierten und den zivilen, freieren Elementen.

Gibt es schon Pläne für danach?
Felix Peer: Direkte Pläne noch nicht, aber Ideen. Ich möchte auf jeden Fall nach dem Kolleg weiterhin eigene Kollektionen machen, vielleicht nicht zum Verkaufen, aber für Social Media, einfach um die Skills anzuwenden und besser zu werden. Das hier ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Ein Studium in näherer Zukunft wäre eine Möglichkeit, um noch mehr zu lernen – zum Beispiel wie man Schnitte kreativer macht und um zu experimentieren, was man aus Kleidung noch herausholen kann.

Fashionshow NAHTSCHATTEN
Wann: Dienstag, 26. Mai 2026
Location: Reaktor, Geblergasse 40, 1170 Wien

Show 1 – 14.00 Uhr
Show 2 – 16.00 Uhr
Show 3 – 18.30 Uhr – mit anschließendem Showroom (bereits ausverkauft)

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